Reichsstädtische und fürstliche Kultur

Oberschwaben

Oberschwaben - die Region gleich ennet dem Bodensee - ist uns trotz der geografischen Nähe kaum bekannt. Deshalb nehmen wir an einer Kulturreise des historischen Vereins Schwyz teil.
Bis über das Mittelalter hinaus war der Bodenseeraum eine eigenständige Kulturlandschaft mit reichen Städten und Klöstern, mit fürstlichen Residenzen und barocken Abteien.

8. - 10. Oktober 2021


Gusseiserne Brunnen aus der
zweiten Hälfte des 19. Jh.
sind das Markenzeichen der
oberschwäbischen Städte

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Karte ganz am Schluss



Fr. 8.10 Vormittag - Wangen im Allgäu
Die "Grosse Kreisstadt" mit knapp 30'000 Einwohnern ist eine alte Reichsstadt, die auf eine frühmittelalterliche Siedlung der Merowinger-Zeit zurückgeht.
Ihre Geschichte ist seit dem 9. Jh. u.a. durch Schenkungen und die Errichtung eines Marktes im 12. Jh. eng mit dem Kloster St.Gallen verknüpft,
Wangen war denn auch bis ins 18. Jahrhundert Verwaltungssitz sämtlicher Besitzungen des Klosters St.Gallen nördlich des Bodensees.
Bereits Anfang des 13. Jh. hatte Wangen unter Friedrich II, Kaiser des römisch-deutschen Reiches, Stadtrechte und wurde mit einem Mauerring und Toren befestigt.
Unter Rudolf von Habsburg wurde Wangen 1286 zur Reichsstadt erhoben, die unter grossem Einfluss der Zünfte wirtschaftlich erfolgreich war.
Im 17. Jh. hatte die Stadt unter mehreren Pestwellen und den Auswirkungen des Dreissigjährigen Krieges mit Kampfhandlungen und Plünderungen zu leiden.
Am Ufer der Oberen Argen gelegen, bildet die Altstadt ein geschlossenes Ensemble mit Gebäuden vom frühen Mittelalter bis zum späten Barock.
Wir gelangen vom Argenufer durch das mittelalterliche Badstubengässle in die Stadt und kommen zum Marktplatz mit der St. Martinskirche und dem Rathaus
dessen ältester Teil aus staufischer Zeit stammt, wärend die Fassade zur Unterstadt spätgotisch und diejenige zum Marktplatz barock ist.
Von hier sieht man durch die Paradiesstrasse das Martinstor, wir gelangen durch die Herrengasse mit ihren Patrizierhäusern zum Frauentor.
Entlang der alten Stadtmauer mit Wehrgang kommen wir zur Eselsmühle und verlassen schliesslich die Stadt beim Pulverturm.


Fr. 8.10 Nachmittag - Weingarten
Das Benediktinerkloster auf dem Martinsberg bei Weingarten (damals hiess es noch Altdorf) wurde 1056 von Welf IV. als Grablege gestiftet.
Die Welfen, seit dem 8. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen, sind eines der ältesten Adelsgeschlechter Europas (Hannover, England).
An Stelle der romanische Klosterkirche wurde 1724 die heutige, reich ausgestattete grösste Barock-Kirche nördlich der Alpen, auch „Schwäbischer St. Peter“, geweiht.




Sa. 9.10 Morgen - Meersburg
Das heutige Weinbau- und Touristenstädtchen um die Alte Burg Meersburg gehörte seit dem 11. Jh. zum Besitz des Bischofs von Konstanz und erhielt bereits im 13. Jh. Markt- und Stadtrecht.
Weil sich Konstanz der Reformation angeschlossen hatte, zog der Bischof Hugo von Hohenlandenberg nach Meersburg, das fortan bis zur Aufhebung des Bistums 1803 Residenz der Fürstbischöfe blieb.


Sa. 9.10 Vormittag - Altes Schloss Meersburg
Die markante Meersburg hoch über dem Bodensee ist ein Wahrzeichen der Region. Sie ist die älteste bewohnte Burg Deutschlands und wurde schon Ende des 19. Jh. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wir können nicht nur das Museum mit vielen eingerichtete Räumen samt historischem "Personal" besuchen, sondern haben bei der heutigen Besitzerin, Julia Naeßl-Doms, einen Sekt-Empfang in ihren privaten Räumen der Alten Burg und werden von ihr in die Geschichte der Burg eingeführt. Sie zeigt uns auch die Wohnräume und das Sterbezimmer von Annette von Droste-Hülshoff, welche in ihren letzten Lebensjahren bis zu ihrem Tod 1848 auf der Meersburg gewohnt hatte.


Sa. 9.10 Nachmittag - Birnau
In Birnau tront über dem Bodensee eine der schönsten Rokoko-Kirchen überhaupt.
Landschaft, Architektur und Dekoration fügen sich zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk zusammen.
Seit dem Frühmittelalter stand auf einem Hügel in der Nähe eine Marien-Wallfahrtskapelle.
Gegen den Willen der lokalen Bevölkerung und der Reichsstadt Überlingen lassen die Zisterzienser
der Abtei Salem Mitte des 18. Jahrhunderts vom Baumeister Peter Thumb die heutige Basilika errichten
und durch Joseph Anton Feuchtmayer und Gottfried Bernhard Göz im Rokoko Stil ausstatten.
Heute betreuen die Zisterzienser von Wettingen-Mehrerau (Bregenz) das Priorat Birnau.


Sa. 9.10 Nachmittag - Baienfurt
Im Mittleren Schussental, in der Gemeinde Baienfurt steht eine expressionistische Kirche, die in den 1920er Jahren errichtet wurde.
Speziell sind die parabelförmigen Gewölbe im Eisenbetonbau von Otto Lindner und die in blau gehaltenen Wände mit Malereien von Alois Schenk.




So. 10.10 Morgen - Ravensburg
Die Grosse Kreisstadt und ehemalige Freie Reichsstadt Ravensburg hat heute ca. 50'000 Einwohner
und wird wegen der vielen mittelalterlichen Türme gelegentlich als „das schwäbische Nürnberg“ bezeichnet.
Das hervorragend erhaltene Stadtbild zeigt exemplarisch die Architektur einer Stadt vom 12. bis ins 18. Jahrhundert.
Wir starten unterhalb der Veitsburg, welfische und später staufische Residenz, und kommen durchs Obertor in die einst bedeutende Reichsstadt.
Hier entstand unter Führung des lokalen Ratsgeschlechts der Humpis bereits im 14. Jh., also noch vor den Fuggern, die erste grosse
Handelsgesellschaft, die in ganz Europa Niederlassungen hatte und bis nach Spanien und Italien Tücher und Stoffe gegen Gewürze und Spezereien tauschte.
Vorbei am als "Mehlsack" bekannten Sankt-Michaels-Turm gelangen wir zum Marienplatz, wo Ober- und Unterstadt zusammentreffen.
Vom Lederhaus mit der Renaissancefassadenmalerei kommen wir durch die Bachstrasse ans Seelhaus, das 1408 als Herberge für Jakobsweg-Pilger gestiftet wurde.
Nach der Skulptur von Peter Lenk zur Erinnerung an die Schwabenkinder gehen wir zum Heiliggeist-Spital und schliessen am Untertor unseren Spaziergang ab.



So. 10.10 Mittag - Bad Waldsee
Der Name des zwischen Stadtsee und Schlosssee eingeklemmten Städtchens mit ca. 20'000 Einwohnern
geht möglicherweise auf eine ursprünglich romanische Besiedelung (vgl. "Walensee") zurück.
Der Marktflecken beim 100 Jahre zuvor von Kaiser Barbarossa gestiftete Kloster erhält Ende des 13. Jh. Stadtrecht.
Die Stadt fällt bald darauf an Habsburg und wird an die Truchsessen von Waldburg verpfändet,
erst nach den Napoleonischen Kriegen kommt Waldsee zum Königreich Württemberg.
Zu den ältesten Einrichtungen der Stadt gehört das Heilig-Geist-Spital, es war zugleich Krankenhaus, Altersheim, Waisen- und Armenhaus.
Das Rathaus mit seiner imposanten gotischen Fassade wurde im 15. Jh. als bürgerlicher Gegenpunkt zur weltlichen und geistlichen Herrschaft erbaut.
Auch das Kornhaus, das heute das Stadtmuseum beherbergt, stammt aus dieser Zeit.
Der Federle-Brunnen erinnert an die Waldseer Hexenprozesse, die Frauen sollen mit dem Bösen in seiner Gestalt im Bunde gewesen sein.



So. 10.10 Nachmittag - Schloss Wolfegg
Wir haben die einmalige Gelegenheit, den nicht mehr öffentlich zugänglichen Sitz der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg
unter der kundigen Führung des Kunsthistorikers und fürstlichen Kurators Dr. Bernd Mayer zu besichtigen.
Die mittelalterliche Burg wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu einer Vierflügel-Anlage umgebaut,
die nach der Zerstörung im Dreissigjährigen Krieg ihr heutiges Aussehen erhielt.
Wir sehen sowohl die Schlosskapelle, die Mitte des 18. Jh. ein neugotisches Aussehen erhielt, als auch die Stiftskirche im frühen Rokoko-Stil.
Der mit 24 Holzskulpturen ausgestattete, über 50m lange Rittersaal im Barockstil ist mehrmals pro Jahr im Rahmen von Konzerten für das Publikum geöffnet.
Das Schloss beherbergt zudem das „Wolfegger Kabinett“, eine umfangreiche private Sammlung von Grafiken aus dem Spätmittelalter und der Renaissance.