Michelagelos «David» aus dem 16.Jh.
Replik vor dem Palazzo vecchio, Florenz

Florenz & Etrusker

Nachdem wir vor zwei Jahren mit Freunden in Bologna waren «Bologna - la dotta, la grassa, la rossa» und das Museo civico archeologico besucht hatten, war unser Interesse an den Etruskern geweckt und wir haben uns für die RHZ Studienreise «Die Welt der Etrusker» angemeldet.
Im Vorfeld erhielten wir eine lange Literaturliste, was nichts daran ändert, dass über diese Hochkultur aus dem aus dem 8. bis 3. Jh.v.Chr.erschreckend wenig bekannt ist und ausser Nekropolen und faszinierendem Kusthandwerk kaum etwas überdauert hat. Immerhin sollen «Tyrrhenisches Meer» und «Toskana» auf die Etrusker verweisen.

Und weil ich noch nie in Florenz und also auch nicht in den Uffizien war, haben wir noch ein paar Tage «Vorverlängerung» auf eigene Faust gemacht.

07.–18. Mai 2025


Sarcofago degli sposi, Cerveteri, 6.Jh.v.Chr. Museo nazionale etrusco, Rom.

Bilder sind 2133x1600 => für volle Auflösung im Browser zoomen!
Etrusker-Karte ganz am Schluss

07. Wir fliegen am Vormittag nach Florenz und gehen gleich als erstes ins Archäologische Museum, das umfangreiche etruskische, griechische, römische und altägyptische Sammlungen beherbergt.
In unserm Kontext ist das wichtigste Exponat die Chimäre von Arezzo, ein Höhepunkt etruskischer Kunst aus dem 5.Jh.v.Chr. Daneben viele Bronze-Statuetten, schwarze Bucchero-Keramik und Kanopen (Urnen).
Eindrücklich sind auch einige Exponate aus der Ägypten-Sammlung wie z.B. die 6000 Jahre alte Sichel mit Steinklingen, der Streitwagen aus dem 14. Jh.v.Chr. oder die koptische Textilien aus dem 5. Jh.

             

             


08. Eine Bahnstunde von Florenz ist Pisa - und auch da war ich noch nie. Aber den schiefen Turm muss man wohl in echt gesehen haben!
Das historische Zentrum ist vom Bahnhof gut zu Fuss zu machen.
Die Piazza dei Cavalieri im historischen Zentrum erinnert an die Macht der Medici.

Und dann kommt er: der schiefe Turm von Pisa auf der Piazza dei Miracoli - natürlich UNESCO-Weltkulturerbe - daneben der Dom Santa Maria Assunta, ein Meisterwerk der romanischen Architektur und das Battistero di San Giovanni, das grösste Baptisterium der Welt.

Wir wandern von hier auf der mura di Pisa um den östlichen Teil des Centro Storico bis zum Arno.
Wir bleiben fürs Nachtessen noch in der Stadt der zwei berühmte Söhne entstammen: Galileo Galilei und Leonardo Fibonacci und fahren mit dem letzten Zug zurück nach Florenz.


09. Der heutige Tag ist den Uffizien und dem Boboli-Garten gewidmet. Wer meint, dass ein Monate im Voraus gekauftes Ticket mit Zeitslot einem das Anstehen erspare, liegt falsch. Ok, die Büros aus dem 16.Jh. sind das meistbesuche Museum Italiens und zeigen eine der wichtigsten kunsthistorischen Sammlungen der Welt insbesondere was Malerei und Bildhauerei der Renaissance angeht.

Die Abfolge der Räume erlaubt, die grossen Entwicklungslinien der europäischen bildenden Kunst von den Griechen bis in die Neuzeit nachzuvollziehen. Die Sammlung umfasst über 10'000 Bilder, Skulpturen und andere Exponate, darunter unzählige welberühmte Werke wie z.B. die Medici-Venus aus dem 2.Jh.v.Chr. in der Tribuna, einer der frühesten Museums-sammlungen der Welt, Boticellis Geburt der Venus aus dem 15.Jh. oder Caravaggios Medusa. Hier nur noch einige Bilder der Ausstellungs-räume mit wunderbaren Decken und Ausblicken.

Wir queren den Arno über die Ponte Vecchio (der Vasarikorridor wäre auch nur mit Reservation zugänglich gewesen) und gelangen zum Palazzo Pitti und dem Boboli-Garten dahinter. Wir geniessen den Nachmittag im riesigen Freilichtmuseum der Gartenskulptur mit Werken des 16. und 17. Jh. sowie römischen Altertümern.


10. Der riesige Dom steht mit seiner gewaltigen Kuppel für Reichtum und Macht im 13. und 14. Jh. Die einzigartige Fassade ist das Spiel von weissem, grünem und rosa Marmor. Blick von der Piazzale Michelangelo auf die Toskanische Metropole mit dem Palazzo vecchio, Symbol der weltlichen Macht.



Nun sind wir für eine Woche mit der RHZ auf den Spuren der Etrusker unterwegs.



11. Wir starten in Fiesole, wo aus ältesten eisenzeitlichen Spuren eine etruskische Siedlung hervorging. Ende des 4. Jh.v.Chr. entstand hier eine Stadt mit Stadtmauern, Toren, Tempeln usw. die im 1.Jh.vChr. von den Römer erobert wurde. In der Area archeologica di Fiesole und im zugehörigen Museum sieht man neben den römischen Ausgrabungen (Theater, Therme, Tempel) auch die Überreste einer älteren etruskischen Tempelanlage und Artefakten wie den Fiesole-Löwen, die Grabstele des Larth Ninie oder Votivgaben aus Metall. Ausserdem schauen wir auch noch kurz ins Museo Missionario Francescano das u.a. ebenfalls archäologische Funde aus etruskischer Zeit zeigt.

             

           

12. Durch die schöne toskanische Landschaft fahren wir an Val d'Elsa vorbei nach Volterra, das als Velathri im 4.Jh.v.Chr. aus noch älteren Ansiedlungen wohl als erste der etruskischen Städte entstand.
Das Museo Etrusco zeigt viele Urnen, eine der bekanntesten ist die Urna degli Sposi; die auffällig Figur Ombra della sera ist ein Meister-werk etruskischer Bronzegiesser. Fast wie Pop-Art wirkt die Kreuzes-abnahme von Rosso Fiorentino von 1521 (!) in der Pinacoteca.
Am Nachmittag fahren wir weiter nach Massa Marittima: die auf einem Hügel liegende Stadt ist wahrscheinlich auch etruskischen Ursprungs. Die Piazza mit der Kathedrale und den Palazzi ist eines der wichtigsten architektonischen Ensembles der Toskana.
Die Fonte dell’Abbondanza zeigt ein Fresko aus dem 13. oder 14. Jh., das den Albero della Fecondità darstellt, an dem 25 Penisse hängen, die von zwei Frauen eingesammelt werden, sie sollten für eine reiche Ernte sorgen.
Wir fahren noch bis Castiglione della Pescaia weiter.

           


13. Populonia (Pupluna) war die einzige etruskische Stadt am Meer. Die Stadt gliederte sich in die Oberststadt, mit öffentlichen und religiösen Gebäuden, und die Unterstadt mit dem Hafen und ab Mitte 6.Jh.v.Chr. der Kupfer- und Eisenverarbeitung.
Eine erste Nekropole wurde bereits im 8.Jh.v.Chr. nahe der Küste errichtet: monumentale Tumuli für die ersten Aristokraten, später auch Sarkophag- und Schrein-Gräber.
Als im 4.Jh.v.Chr. die Abraum- und Schlackhalden immer näher kamen, liessen die Aristokraten in aufgegebenen Sandsteinbrüchen hypogäische Gräber aushauen, so entstand die Höhlennekropole.
Die Akropolis wurde nach den Etruskern auch in römischer Zeit weiter genutzt und ist bis heute bewohnt. Ein Teil ist archäologisches Grabungsgebiet und zeigt etruskische und römische Siedlungsspuren.
Die Parchi della Val di Cornia haben eine informative Website zu den drei Archchäologischen Fundorten in Populonia.

     

     


14. Bevor die die Toskana Richtung Süden verlassen, fahren wir ins Merse-Tal und nach Grosseto.
Das Merse-Tal, hat seine Ursprüng-lichkeit bis heute bewahrt, die kleine Kirche und die Reste von San Galgano faszinieren in der Land-schaft. Die romanische Kirche trohnt auf dem Hügel Montesiepi und die gut erhaltene Zisterzienser-Abtei San Galgano gehört zu den eindrucksvollsten gotischen Bauwerke Italiens.
Die antike Stadt Rusel (Roselle) in der Nähe von Vetulonia, nördlich von Grosseto, war einst eine der wichtigsten Städte Etruriens und möglicherweise ebenfalls Teil des Zwölfstädtebunds. Grosse Teile der Stadtmauern aus bis zu 5m hohem polygonalem Mauerwerk aus dem 6.-2.Jh.v.Chr. sind noch heute erkennbar. Bei tieferen Grabungen kamen zudem städtische Anlagen aus der späten archaischen Zeit ans Licht, mit Wohnhäusern und Werkstätten aus der Zeit zwischen dem 7. und 6. Jh.v.Chr.
Am Abend erreichen wir Tarquinia.

                 


15. Tarquinia liegt auf einem Hügel über der Maremma, wo einst die etruskische Stadt Tarchna, eines der wichtigsten Mitglieder des Zwölfstädtebundes lag.
Älteste Funde stammen aus dem 9.Jh.v.Chr, schon im 9.Jh.v.Chr von einer Stadmauer umgeben, die 5. und 4.Jh.v.Chr auf acht Kilometer erweitert wurde.
In einem schönen Stadtpalast ist das Museo Archeologico Nazionale Di Tarquinia, es zeigt viele sog. Treppenreliefs aus Nenfro – (Tuff) aus 6.Jh.v.Chr., sowie steinerne Sarkophage - frühe aus dem sechsten bis späte aus dem 2.Jh.v.Chr. wie z.B. der Sarkophag des Magistraten Laris Puelna mit der Schriftrolle.
Genial sind die Rekonstruktionen der Gräber aus der nahen Nekropole mit originaler Wand- und Deckenbemalung.
Die Hochreliefskulptur mit den geflügelten Pferden war um 400 v.Chr. Giebelverzierung am grössten Tempel Etruriens, dem «Altar der Königin», sie gehören zu den absoluten Meisterwerken der etruskischen Bildhauerkunst.

   


16. Cerveteri die ursprünglich etruskische Stadt Caisra, eine der mächtigsten des Zwölfstädtebundes ist seit dem 10.Jh.v.Chr besiedelt.
Die Nekropole von Banditaccia mit tausenden von Gräbern vom 8. bis zum 2.Jh.v.Chr., gilt als grösste Nekropole der Antike. Die Gräber wurden als Nachbildungen von Wohnhäusern entworfen - mit Räumen, Sälen, Säulen, Bänken und Nischen für Urnen oder Sarkophage; was uns heute ermöglicht, das tägliche Leben der etruskischen Elite zu rekonstruieren.
Monumentale Hügelgräber - Tumuli mit über 30 Metern Durchmesser sind von niedrigen Steinringen umgeben und im Inneren wie mehrräumige Häuser strukturiert. Kammergräbern sind entlang von "Gassen" in Felsblöcke gehauen, das regelmässige Raster erinnert an Wohnquartiere. Schmale, steile Treppen führen zu tiefen Schacht-gräbern, das schönste Beispiel ist wohl die «Tomba dei Rilievi».
Diese Vielfalt der Typologie ist an keiner anderen etruskischen Stätte zu finden.

                 

               


17. Je nach Quelle ging Rom im 8. Jh.v.Chr. aus frühen Siedlungen von Latinern oder von Etruskern hervor. Sicher ist, dass im 7. und 6. Jh.v.Chr Etrusker-Könige in Rom herrschten und das Land mitgeprägt haben.
Heute jedenfalls ist das Museo Nationale Etrusco das weltweit wichtigste Etrusker-Museum.
Am Beispiel eines rekonstruierten Grabes aus Vulci aus dem 7. Jh.v.Chr. werden die etruskischen Grabbeigaben exemplarisch gezeigt. Sehr schön ist die Ficoroni Cista, eine Schmuckdose aus Bronze aus dem 4. Jh.v.Chr. Die Terrakotta-plastik des Apollon aus dem 6. Jh.v.Chr. vom Giebel eines Tempels in Veji ist berühmt. Vom Uni-Astarte-Tempel aus dem 5. Jh.v.Chr. von Pyrgi (Hafen von Cerveteri) sind das Hochrelief vom Giebel und die Gold-Laminas mit etruskischen und phönizischem Inschriften. Der «Carello di Bisenzio» aus dem 8. Jh.v.Chr und die Votiv-Figürchen haben es mir angetan. Das berühmteste Objekt des Museums ist aber natürlich der Sarkophag der Ehepartner, ein Meisterwerk aus Terrakotta aus dem 6. Jh.v.Chr. aus der Nekropole von Cerveteri.